Archiv für Oktober 2006

Projekt Faschismusanalyse in München: Ab Dienstag, den 21. November, 19.30 Uhr, Raum 1212, 2. OG., Schweinchenbau, Leopoldstr. 13, 80802 München, danach jeweils Dienstags

Flyer

Wer sich trotz aller Vergleicherei zwischen guter Demokratie und bösem Faschismus für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Varianten bürgerlicher Herrschaftsformen interessiert;

Wem die Fortschritte des deutschen Nationalismus seit der Kanzler nicht mehr Hitler heißt, sondern eine Kanzlerin ist, nicht Anlass sind, letzterer einen dicken Pluspunkt auszustellen;

Wer die patriotische Gewissenserforschung nicht mehr hören kann, ob brave Deutsche und gute Soldaten von einer verbrecherischen Führung missbraucht wurden, oder ob sie sich nicht auch führen und gebrauchen ließen;

Wer sich nicht mit der Auskunft zufrieden geben will, der Faschismus sei eine Un-herrschaft und ein Un-geist gewesen — ganz im Gegensatz zu unseren neuen Führern;

Wem es nicht einleuchtet, dass die bundesrepublikanische Demokratie einfach unvergleichlich ist, weil die keine Juden vergast, nicht den totalen Krieg ausruft;

Wem überhaupt in dem ganzen nationalen Scham-, Schuld- und Ehrgetriebe der neudeutsche demokratische Herrschafts- und weltpolitische Großmachtanspruch aufgestoßen ist –

Für den bietet das Projekt Faschismusanalyse einen regelmäßigen Termin an, der sich zum Anliegen macht über die Gründe eines faschistischen Staatsprogramms, das den („Notstands“-)Traum aller wehrhaften Demokraten wahrmacht, zu diskutieren. Dass dabei die Zwecke und Interessen heutigen demokratischen Regierens nicht zu kurz kommen versteht sich von selbst, schließlich sind es ja gerade deren moderne Maßstäbe, die den sog. „Ewiggestrigen“ als Vorgabe dienen und denen sie konsequent zum Durchbruch verhelfen wollen.

Diskutieren wollen wir also die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Varianten bürgerlicher Politik, wenn es ihnen um die Verfolgung damals wie heute anerkannter und durchgesetzter Ziele geht wie z.B.:

- Eine erfolgreiche Standortpflege, bei der demokratische Führer auf die segensreichen Wirkungen der freien Konkurrenz , Faschisten dagegen auf eine von jedem Zufall befreite Sortierung der Menschen in „gutes Volk“ und „Volksfeinde“ sprich Ausländer setzen.
- Eine Arbeitsmarktpolitik, bei der regierende Demokraten alles an proletarischer Verarmung „sozial“ finden was Unternehmer dazu motiviert „Arbeit zu schaffen“, während Faschisten mit Arbeitslosen das zielstrebigste Beschäftigungsprogramm, das je unternommen wurde, veranstalten: Ihre Verwandlung in Soldaten – nicht nur – der Arbeit.
- Einen sozialen Frieden, den heutige Gewerkschaften in Zeiten rigiden Klassenkampfs von Oben mitverantworten, und der damals per Gewalt durchgesetzt war als „Deutsche Arbeitsfront“.
– Ausgreifende Weltordnungsambitionen, die ein wiedervereintes Deutschland als Vormacht Europas souverän vorantreibt, während sein Vorgänger dafür erst einen Befreiungskrieg für nötig erachtete.

Kurzum: Faschisten machen ernst mit dem Krisenfanatismus, dem Gerechtigkeitswahn und dem Patriotismus eines guten Staatsbürgers. Sie verwirklichen das konsequenteste „Wir“ aller Deutschen.

Hier der Reader zum Projekt als PDF

Lesetipp:

Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung
München: Gegenstandpunkt-Verlag, 1996
354 Seiten A5 ISBN 3-929211-02-5 € 20.–

Meta

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